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Die Geschichte von Lühmannsdorf ist die Geschichte von Handwerkern. Weber, Land- und Forstarbeiter pachteten wie bereits in der Chronik erwähnt 1826 Land von Friedrich von Lühmann und gründeten damit Lühmannsdorf. Schnell erfolgte dann die Aufsiedlung des Dorfes. Da die Einkünfte aus ihrem Handwerksbetrieb nicht ausreichten, betrieben die Handwerker nebenbei Landwirtschaft. Die Struktur der Grundstücke läßt dies noch heute erkennen. Entlang der Straße wurden die Grundstücke erworben, eng nebeneinander und oft nur 14 Meter breit. Die Häuser wurden dicht an die Straße gebaut, dahinter schloß sich ein kleiner Hof an, der Abstand zum Stall war gering. Hinter den Stallgebäuden begann der Garten, die Hoflage war relativ klein. Daran im Anschluß grenzte ein Stückchen Ackerland, meist ein bis drei Morgen. So entstanden die Grundstücke, die heute noch typisch für unser Dorf sind: schmal und lang. Warum hat man sich gerade für diese Aufsiedlung entschlossen? Jeder Handwerker wollte den Anschluß an die Straße haben, Hoflage, Stallgebäude und Ackerland waren gerade nur so groß, um die individuelle Landwirtschaft zu betreiben. Weiterhin wurden Wiesengrundstücke erworben. Im günstigsten Fall lagen diese gleich hinter dem Ackerland. Diese Wiesen befinden sich entlang der Dorfstrasse hinter den Grundstücken, aber auch in der Nähe von dem Erlenbruch am Sportplatz. Sie liegen wesentlich tiefer und haben einen niedrigen Grundwasserstand und schwarzen Boden. Dort wächst das Gras auch noch in Dürrezeiten. Ansonsten hat Lühmannsdorf einen typischen Sandboden mit geringen Bodenwertzahl. Von drei Morgen Land allein konnte man auch nicht leben. So war es also die Verbindung von Handwerk und Landwirtschaft, die ein hartes, aber einigermaßen einträgliches Leben bot. Die individuelle Landwirtschaft bestand aus Ackerbau und Viehzucht. Es wurden überwiegend Hühner, Enten und Schweine, Ziegen und Kühe gehalten. Auf dem Feld wurden Rüben und Kartoffeln, Hafer, Roggen und eventuell Weizen angebaut. Wer etwas besser gestellt war, hatte ein Pferd. Es gab aber auch größere Bauernhöfe mit großer Hoflage und mehreren Morgen Land. Solche Höfe waren:

Giesekenhagen:

  • Wilhelm Köppen
  • Carl Weißenbacher
  • Eduard und Rudolf Franz
  • Willi Jeschke
  • Heinrich Gerling

Brüssow:

  • Wally Friedheim
  • Max und Walter Rase
  • Gustav Kreklau
  • Gerhard Lüdtke
  • Heinrich Gerling (Brüssow)
  • Paul Hecht
  • Fritz Köhler (Altbrüssow)

Lühmannsdorf:

  • Franz und Fred Döring
  • Gustav Strübing
  • Franz Becker
  • Paul Dagemann
  • Otto Dethloff
  • Alfred Utpathel
  • Willi Lange
  • Paul Dell

Jagdkrug:

  • Heinz Peters (Sägewerk)
  • Ferdinand Schröder
  • Hans Burmeister
  • Franz Londkowski
  • Fritz Michelson
  • Max Massow

Eine weitere Erwerbsquelle war der nahegelegene Wald. Er lieferte das Holz für die Zimmereien und Tischlereien und bot vor allem auch Frauen eine weitere Verdienstmöglichkeit, sie waren in der Forst tätig.

Der Zusammenhalt der Handwerker und Bauern, der Händler und Gewerbetreibenden war groß. Sicher war man auch aufeinander angewiesen, denn der Transport der Produkte in die umliegenden Städte war aufwendig. Schließlich hatte Friedrich von Lühmann dem Anschluß des Dorfes an die Bahnlinie keine Genehmigung erteilt. So wurden die Produkte überwiegend in Lühmannsdorf und den umliegenden Dörfern vermarktet. Die größeren Bauernwirtschaften leisteten in der Landwirtschaft den Handwerkern oft Hilfe, z.B. mit durch die Nutzung des Dreschkastens oder anderer Technik. Da wurden dann die Produkte unmittelbares Zahlungsmittel, und so tauschte der Tischler auch mal ein Spinnrad gegen ein Fass Salzheringe.

Bedeutende Handwerksbetriebe aus Lühmannsdorf

Eine der ältesten Firmen ist die Bau- und Möbeltischlerei der Gebrüder Hermann und August Beug. Sie wurde 1841 gegründet. Dieser Handwerksbetrieb hielt sich über vier Generationen. Der Betrieb beschäftigte mehrere Gesellen. 1925 beteiligten sich die Brüder Beug an der Gründung des Dampfsägewerkes in der Dorfstraße. 1932 erfolgte die Umbenennung in "Wieholz, Beug und Co" . Das Dampfsägewerk hörte mit der Produktion ca. 1950 auf. Die Tischlerei wurde im Jahre 1963 geschlossen, als August Beug und seine Frau starben.

Eine weitere bekannte Firma in Lühmannsdorf war die Firma August Ziesemer. Die Geschichte dieses Familienbetriebes soll hier stellvertretend für viele andere ausführlicher dargestellt werden.

Geschichte der Firma August Ziesemer

Alle Handwerker und Gewerbetreibenden bis 1970 im Überblick:

  • Fahradwerkstatt Paul Riechert, danach in diesem Haus Textilgeschäft, danach Lebensmittel (Konsum) Hilde Borchardt
  • Tankstelle mit Fahrradwerkstatt August Ziesemer, Kolonialwaren August Ziesemer
  • Gaststätte Pautsch und Saalbetrieb und Kolonialwarenhändler, in der Erntezeit Kindergarten, später Konsum (Hildebrandt) mit Möbeln, Kinderwagen, Textilien, Geschirr usw.
  • Gastwirt Franz Medow/ Kurt Liebing, daneben Kolonialwarenladen Franz Medow, Kurt Liebing, später Erna Scheel
  • Gastwirtschaft Linde: Max Bose, später Wilhelm Zeisert, Tankstelle (Lori Wienholz), Bernhard Lewerenz, Frau Radtke
  • Textilien und Hühnerzucht, später Lebensmittel Waldemar Wehnert, Sparkasse (Haus Christa Fuhrmann)
  • Fleischerei Heinz Kundt,
  • Fleischerei Max Massow,
  • Fleischerei Adolf Peters
  • Kolonialwaren Martha Witt
  • Sparkasse Schuhmacher (Haus Bergemann, das Querhaus)
  • Schustermeister Ernst Gielow, Schustermeister Wilhelm Segert, Schustermeister Carl Dahms
  • Schneidermeister Otto Segert (Senior und Junior), Schneidermeister Erich Dembowski,
  • Schneidermeister Otto Lüder
  • Tischlerei Gebrüder Beug
  • Tischlerei Erich Rüberg
  • Tischlerei Max Bergmann
  • Tischlerei Gerhard Hall
  • Baugeschäft und Sägewerk Adolf Peters
  • Malerfirma Gerhardt Barnekow
  • Bildhauer Max Wegner
  • Schmiedemeister Alfred Riechert (Vater von Alfred und Paul)
  • Friseur Gau und Ulrich Mollnow (heute Scheel)
  • Zigarrenladen Heuer
  • Dampfsägewerk Hermann Beug und Wienholtz
  • Müllermeister Gustav Strübing
  • Müllermeister Carl Becker
  • Steinschläger Karl Lewerenz (im Haus auf dem Grundstück Köpenick)
  • Bäckerei Paul Dagemann, später Richardt Walter
  • Gärtnerei Karl Kell
  • Baugenossenschaft Robert Schröder und Co.
  • Elektromeister Werner Segert
  • Sattlermeister Richard Wöldicke
  • Eierannahmestelle W.Plog, später G. Fritz

Die Zeit nach 1945

Viele Handwerksbetriebe gingen nach dem Krieg ein. Die Gründe dafür waren vielschichtig:

  • Die Handwerksmeister hatten das Rentenalter erreicht und die Nachkommen hatten kein Interesse.
  • Von ihrer Arbeit konnten sie nicht leben, sie gingen in größere Betriebe in den umliegenden Städten.
  • Die Industriealisierung machte ihnen Konkurrenz (Schneider, Schuster, Schmied, Tischler).
  • Von staatlicher Seite wurde der Erhalt von Privatbetrieben behindert, vorhandene Betriebe wurden geschlossen.

Die Handwerker gingen z.B. zur Peenewerft oder in die Kaufhallen Lühmannsdorf bzw. Züssow, nach Karlsburg in das Klinikum, in die Diakonie nach Züssow, in die LPG Pflanzenproduktion Züssow bzw. in die LPG Tierproduktion Lühmannsdorf, in den Forststützpunkt Lühmannsdorf.

Wenige Betriebe liefen nach 1945 weiter. Ein Betrieb davon war das Sägewerk. Der Besitzer, Herr Peters, ist in den Westen gegangen. Das Sägewerk wurde zunächst von Fritz Schuldt übernommen, seit 1958 betrieben die Brüder Fritz und Horst Schuldt das Sägewerk, dann Horst Schuldt allein. In den siebziger Jahren wollte die DDR- Regierung alle privaten Betriebe verstaatlichen. Darunter fiel auch das Sägewerk im Jagdkrug. Horst Schuldt wurde als Betriebsleiter eingesetzt.

Einer der wenigen Handwerksberiebe, die nach dem Krieg neu entstanden, war die Elektrofirma Werner Segert, gegründet am 1.4.1954 . Als Werner Segert 1989 in den Ruhestand ging, übergab er die Firma seinem Altgesellen Bernd Thurow, der heute noch die jetzige ASTO GmbH leitet.

Kurz vor der Wende hatte Lühmannsdorf nur noch 5 Privatfirmen:

  • Elektro-Firma Benno Thuro (bis 1989 Werner Segert)
  • Kosmetik Christa Fuhrmann
  • Kfz- Werkstatt Heinz Reich
  • Gaststätte Jadgkrug, Inhaber Rehwald
  • Gastätte Zur Linde, Inhaber Hussel

Nach der Wende blühte dieses Handwerkertum wieder auf, was heute die fast 50 Gewerbetreibenden des Dorfes beweisen. Siebzehn Jahre Firmengeschichte schreiben jetzt schon viele von ihnen. Es wird also noch viel zu berichten sein.